Mittwoch, 26. April 2017

Besuch meiner Eltern: Ein mal Kirgistan im Schnelldurchlauf


Salam ihr Lieben!


Ich weiß nicht wie es euch gerade so geht, aber hier scheinen die Uhren schneller zu ticken als ich es erwartet hätte. Vielleicht liegt es auch daran, dass mein Aufenthalt hier begrenzt ist und ich die Beobachtung der Zeit deshalb so unglaublich faszinierend finde. Vor kurzem habe ich mich noch durch die vereisten Schneestraßen gekämpft und jetzt bricht hier ein Frühling ein, den man in Deutschland Sommer nennt!
 Man könnte sagen je länger ich hier bin desto schneller vergeht eine Woche. Ein Monat. Deshalb verlängern sich die Abstände meiner Blogeintrage..

Wie einige von euch wissen werden, waren meine Eltern 12 Tage zu Besuch.  Am Morgen des 2. Aprils stand ich also um 5 Uhr am Flughafen „Manas“ um sie nach über  7 Monaten wieder zu sehen, ihnen mein Leben hier zu zeigen und mit ihnen für 8 Tage durch das Land zu reisen.

Der erste Tag in Bischkek mit meinen Eltern - und ich schleife sie gleich mal auf den Osch-Basar, durch die halbe Stadt, und in mein Lieblingscafé sowie mein Lieblingsrestaurant. Wenn ich daran denke wie viele Eindrücke und vor allem Gegensätze ich den Beiden an ihrem ersten Tag schon zugemutet habe, ziehe ich den Hut vor ihnen. Aber da mein erster Tag auch ein erbarmungsloses „In die Stadt hineingeworfen und sofort los legen müssen“ war, glaube ich, dass sie sich dafür gut vorstellen konnten wie es mir am ersten Tag erging.

Am nächsten Tag musste ich arbeiten, so dass sie die Gelegenheit hatten, sich das ganze mal auf eigene Faust anzusehen. Am Abend hörte ich mir gespannt ihre Eindrücke an. Eine super-moderne Shopping-Mall, ganz im Stile des Westens,  inmitten der sonst eher heruntergekommen sowjetischen Gebäude, ist wohl einer der stärksten Kontraste, der den beiden in Erinnerung an die Stadt  bleiben wird. Am Tag darauf kamen sie mich auf meiner Arbeitsstelle besuchen. Es war für mich sehr wichtig, zu zeigen wie und wo und mit wem ich jeden Tag 7 Stunden arbeite. Außerdem hatten meine Eltern allerhand nützliche Geschenke für meine Klasse dabei. Neben einem Sonnensegel für Draußenunterricht im Frühling und Sommer, einer Hängematte, Lernmaterialien waren auch alte Dinge aus meiner Kindheit dabei, wie zb eine Schaukel.


Ich führte meine Eltern durch die ganze Schule, stellte ihnen alle Kolleginnen und Kollegen vor. Die Reaktion war immer ziemlich exakt die gleiche: похожа на Маму, да? ваша дочка очень хорошая девочка, она очень много помогает… !“  (übersetzten könnte man das so: Du kommst ja total nach der Mama, nicht wahr? Eure Tochter ist ein sehr gutes Mädchen, sie hilft uns wirklich viel…..)
Ich glaube meine Eltern waren ein bisschen erstaunt, dass ich mittlerweile tatsächlich auf russisch sprechen, verstehen und für sie übersetzen kann.

Am nächsten Morgen in aller Frühe brachen wir zu unserem- zugegebenermaßen geführten- Trip auf. Sultan, ein Kirgise der über das Incoming-Programm der Freunde der Erziehungskunst R.S. einen Freiwilligen Dienst in Deutschland gemacht hat, war mir durch meine Einrichtung schon bekannt. Ein super netter Kirgise und oft „deutscher“ als wir, dem es gelang uns in so kurzer Zeit zu vielen wundervollen Orten zu fahren.

Hier unsere Reise:

Tag eins und zwei: Arslanbob

Den ersten Tag haben wir im Auto verbracht. Einmal vom Norden Kirgistans in den Südwesten- nah an der Grenze zu Usbekistan . Während der Fahrt fuhren wir durch gigantische Schneefelder! Weit und breit nichts außer Schnee, fuhren wir Berge rauf und runter. Wer es noch nicht gehört hat: Ich habe das große Glück den Jahrhundertwinter erwischt zu haben. Normalerweise wäre nämlich unser erster Zielort, Arslanbob, im April schon ein grünes Paradies. Für uns hieß es dann eher weiß und kalt. Umso wärmer wurde uns als wir in unserem Gasthaus , das wie alle Häuser unserer Reise von einer Familie geführt wurde, ankamen. Dort wurden wir lecker mit Lagman bekocht. Maschrur, der Gastvater gesellte sich nach dem Essen zu uns. So erfuhren wir einiges über Arslanbob und seine Hintergründe. Zum Beispiel, dass der usbekische Anteil deutlich höher liegt als der kirgisische. Dies spürten wir sehr deutlich als wir am nächsten Tag durch die Stadt liefen. Frauen waren ausschließlich mit Kopftüchern auf der Straße und schauten den Männern nicht in die Augen. Auch waren Frauen nur mit Frauen unterwegs und Männer  nur mit Männer. Der Islam ist dort viel präsenter als im Norden. Der Ort scheint allerdings auch schon an Touristen gewöhnt zu sein, und immer wieder grüßten uns einige Schulkinder mit einem  neugierigen, englischen „Hello!“
Ich hatte mich sehr auf Arslanbob, das für seine Walnuss Wälder bekannt ist gefreut und war dann erstmal ein bisschen frustriert, dass uns der Schnee dem Wandern einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

Maschrur unser Gastvater
Das erste Kamel, das ich in Kirgistan gesehen habe!
Walnusswälder im Schnee..

Neugierige Schulkinder auf dem Weg durch Arslanbob
Autofahrt durch unendliche Schneefelder

Tag 3: Kyzyl-Oi

Kyzyl-Oi (befindet sich in der Landesmitte) ist kirgisisch und heißt so viel wie rote Kule. Und wenn man sich in dem Dorf befindet trifft es das auf den Punkt. Rund herum befinden sich rote (oder eben weiße!) Berge. Die Fahrt dorthin führte uns durch steile Schluchten, auf wie immer holprigen „Straßen“.
Wieder einmal erwartete uns ein kirgischisches Festmahl! Die Unterkunft war mehr als sympathisch- wenn auch aufgrund des Stromausfalls ziemlich kalt. Aber das Abendessen im Kerzenschein passte perfekt in die Atmopshäre.
Strom oder nicht - der Tisch immer Randvoll!




Tag 4 und 5 Koschkor

Am nächsten Tag spazierten wir durch das Dorf Kyzyl-Oi und machten uns durch atemberaubende rote Felslandschaften und stets umringt vom Ala-Too Gebirge, auf zum nächsten Ziel.
Inmitten des kleinen Dörfchens Kyzyl-Oi...deutsche Werbung auf deutschen Autos, daran habe ich mich schon längst gewöhnt.


Nach der Ankunft in Kosckor, dass sich westlich vom Issyk-Kul befindet, waren wir erstmal alle platt und freuten uns mal wieder duschen und ein bisschen entspannen zu können.
Der nächste Tag war dafür umso ereignisreicher. Wir mieteten ein Pferd und ritten zu einer Schäferfamilie, die außerhalb des Dorfes wohnt. Ende April werden sie mit all ihren Tieren noch ein ganzes Stück höher in die Berge ziehen und in ihrer Jurte leben. Nachdem wir mit Ihnen den obligatorischen Tee getrunken hatten, liehen sie uns ihren Esel aus, so dass wir mit Pferd und Esel einige Stunden in den Bergen unterwegs waren. Das war für mich ein ziemlich besonderes Erlebnis. Auf dem Pferd oder Esel zu sitzen, dabei durch die schöne Berglandschaft zu reiten und einfach nur zu staunen und die Sonne  zu genießen, war für mich definitiv ein großes Highlight. Ich wollte das Pferd gar nicht mehr her geben und bin jetzt drauf und dran reiten zu lernen. Das ist eines der letzten Dinge die ich von mir erwartet hätte.



Am Abend fuhren wir in eine alte Salzgrotte, die ehemals zum Salzabbau genutzt wurde. Jetzt stellt sie ein Sanatorium für Lungenkranke da. Die Vorstellung, dass die Patienten 10 Nächte in der muffigen feuchten und staubigen Höhle schlafen würden war für mich etwas seltsam.


Tag 6 Fahrt nach Karakol über magische Orte.


Auf der Fahrt nach Karakol, östlich des Issyk-Kuls machten wir Stops an atemberaubenden Orten.
Skazka =Fary Tale canyons: der Name spricht für sich.
 Hier ein paar Bilder zu diesem magischen Ort.





Barskon und „Little Tibet“. Der geheim Tipp Sultans und ein Platz, den wir ohne ihn und sein Auto  nicht erreicht hätten.  In ziemlich dünner Luft liefen wir die letzten eineinhalb Stunden zu dem für jeden von uns höchsten Punkt von 4028Metern. Das Gefühl und die Aussicht war gigantisch- und zumindest den letzten Abschnitt hatten wir auf eigenen Füßen erreicht.





Mir ist immer noch ein Rätsel wie die Kühe und pferde in dieser Höhe, bei diesem Schnee Gras finden  wollen..

Am Abend kamen wir in Karakol an. Wir überglücklich von den Natureindrücken und Sultan überglücklich , dass sein Auto diese extreme Höhe durchgestanden hatte. So stoßen wir alle erstmal mit einem Bier an, auf das wir uns schon die ganze Reise gefreut haben. Das Gasthaus in Karakol, der touristischen Stadt, die euch von meinem Januarbericht bekannt sein dürfte, war vergleichweise ziemlich luxuriös. Plötzlich waren Wifi, ein richtiges Bad und sogar Fernseher da. Das meiste hatte ich nicht im geringsten vermisst (außer dem Bad vielleicht..)

Tag 7: Wanderung bei den 7 Bullen.

Schon seltsam denselben Ort mit meinen Eltern aufzusuchen, an dem ich schon einige Monate vorher wandern war. Doch diesmal ohne Schnee, sah alles ziemlich anders aus und wir wählten auch  eine ganz andere Wanderung.


Anschließend besuchten wir den Karakoler Basar, die orthodoxe Kirche und tranken genialen Kaffe.
Dies war der letzte Abschnitt der Reise. Am nächsten Morgen schon machten wir uns morgens auf den Weg um entlang des Issyk-Kuls zurück nach Bischkek zu fahren. Auf den letzten Kilometern machte das Auto langsam schlapp, so dass ich wirklich froh war, dass wir die ganze Reise bis zurück nach Bischkek ohne größere Probleme geschafft hatten.

Schade war nur das drei Reiseziele kurzfristig gekänzelt wurden, da einige Bergpässe wegen Lawinengefahr geschlossen waren. Allerdings weiß ich auch nicht wie wir weitere Punkte hätten unterbringen können. Denn ich hätte sowieso gerne an jedem Ort deutlich mehr Zeit zum wandern verbracht.

Ich freue mich jetzt umso mehr auf den Sommer und meine langen Ferien, in denen ich einige der Orte (und andere) zum wandern und zelten nochmal aufsuchen werde.

Nachdem Abschied meiner Eltern am Flughafen wurde ich ziemlich schnell wieder zurück in den Alltag geworfen. So dass, der Besuch von Ihnen manchmal ganz unreal in meiner Erinnerung ist. So schnell sie kamen so schnell waren sie auch schon wieder weg…


Zu allerletzt ein kleiner Aufruf an alle jungen Leser*innen, die ein Jahr mal was ganz anderes machen wollen:  Bis jetzt gibt es noch keine nachrückenden Freiwilligen in Ümüt-Nadjeschda. Derzeit sind wir sieben Freiwillige! Die Vorstellung, dass ab September kein Freiwilliger in Ümüt arbeitet macht mich sehr betroffen. Die Freiwilligen sind eine sehr wichtige und große Hilfe hier (ich hoffe das klingt jetzt nicht überheblich). Wir jungen Leute mit weniger Erfahrung haben oft nochmal eine viel engere, freundschaftliche und vertrautere Beziehung mit den Kindern und Jugendlichen. Ich kann diese Freiweilligen Dienststelle nur empfehlen. Wer interessiert ist kann sich sehr gerne an mich wenden und ich gebe sehr gerne Auskunft!

Bis dahin alles Gute, bleibt am Ball
Eure Lissa

Sonntag, 26. März 2017

Vom kirgisischen Neujahrsfest im März, meinem Alltagsleben und vom Fahhradfahren in Bischkek

Ich mit einer meiner Schülerinnen und einer Freiwilligen aus Turkmenistan in traditionell kirgisischen Kleidern


Am 21. März wurde in Kirgistan das Fest des Jahreswechsel „Noorus“. Es wird in ganz Zentralasien gefeiert und markiert den Wechsel vom Winter zum Frühling. Es ist der Tag an dem die Nacht exakt gleich lang ist wie der Tag. Da nach diesem Tag die Tage länger als die Nächte werden, kennzeichnet dieser Tag den Frühlingsanfang.  Noorus ist ein sehr alter Feiertag, und ist auf die Zeit zurückzuführen, als die Zentralasiatische Kultur hauptsächlich vom Schamanismus geprägt war. Deshalb war unser Fest in der Schule  im Vergleich zu den sonst sehr waldorf oder russisch geprägten Festen sehr traditionell kirgisisch und scharmanisch.
Am 20. März, also ein Tag vor dem eigentlichen Fest, feierten wir mit den Kindern in der Schule Noorus. Dafür probten wir natürlich wochenlang. Dies zeichnete sich allerdings auch aus. Ich selbst führte mit meinen Mitfreiwilligen und einigen Kolleginnen einen traditionellen kirgisischen Tanz auf. (Natürlich wurden wir vorher alle in traditionelle Kleider gesteckt). Desweiteren wurden einige scharmanische Rituale durchgeführt, wie zum Beispiel eine symbolhafte  Ausräucherung des Raumes.




Auch sehr interessant ist eine Honig ähnliche Nascherei die es nur zu diesem Feiertag gibt: Sümelök. Die Legende dazu lautet in etwa so: Eine Mutter mit vielen vielen hungrigen Kindern konnte nicht alle Kinder satt bekommen. Um die hungrigen Kinder zu beruihgen begann sie Wasser in einem Topf zu rühren und ein wenig Korn hinzuzufügen. So tuend als koche sie rührte sie stundenlang in der Wasserbrühe herum. Die Kinder fragten: Wann ist das Essen fertig?“ „Bald, Bald“ war die Antwort immer wieder bis die Kinder müde wurden und schliefen. Die Mutter rührte letztendlich einen Tag und eine Nacht bis dann tatsächlich eine leckere Honig ähnliche Speise entstand.
Noch heute wird zur Noorus Zeit die 24 stündige Zubereitung von Sümelök Tanzend und singend zelebriert. Auch ich habe natürlich diese bräunlich-schleimige Speise gekostet und kann sagen: Ist okay, aber auslöffeln wie viele es hier tun könnte ich es nicht. Außerdem sind die Zutaten mittlerweile wohl weitaus mehr als Korn und Wasser. Jedenfalls soll es sehr gesund sein vor allem für Magen und Darm…
Meine Klasse-die Werkoberstufe (es fehlen allerdings einige!)



Am nächsten Tag hatten wir dann erstmal frei. Aber ausgeschlafen habe ich trotzdem nicht. An diesem Feiertag würde in Bischkek nämlich einiges los sein. So starteten wir den Tag auf dem großen Ala-Too Platz der von menschen überfüllt war. Der Bürgermeister redete und las einen Brief des Präsidenten vor- gäähn. Später wurden kirgisische Tänze aufgeführt. An den Seiten wurden jeweils nationale Spiele mit Schafs und Kuhknochen gespielt und natürlich allerhand Sümelök verkauft. Zu den Reiterspielen im Hippodrome habe ich es zeitlich nicht mehr geschafft (Am 1. Mai werde ich aber definitiv dort hingehen!)



Da ich oft nur von außergewöhnlichen Tagen und Aktionen oder meiner Arbeit berichte glaube ich, dass sich viele meinen Alltag in Bischkek nicht oder kaum vorstellen können. Und das ich mittlerweile einen Alltag habe ist nicht abzustreiten. Montags bis Freitags arbeite ich von 9-16 Uhr. Zweimal die Woche besuche ich einen Russisch Kurs. Damit sind meine Tage  schon gut gefüllt, so dass ich oft totmüde abends heimkomme. Es ist schon seltsam, einerseits gibt mir die Arbeit mit den Kindern sehr viel Energie und ich fange jetzt, in der „zweiten Halbzeit meines Jahres“  erst richtig an mutig genug zu sein um von mir selbst aus Initiative zu ergreifen. Als Beispiel könnte man hier nennen, dass ich eine Logopädie Therapie mit eines meiner Mädchen anfange. Auch am Beispiel einer anderen Schülerin fällt mir auf wie wichtig meine Eigeninitiative hier ist. So hat sich ihr Zustand in den letzten 2 Monaten derart verbessert, dass ich von diesen wundervollen Resultaten natürlich ganz viel Energie zurück bekomme. Andererseits verliere ich diese Energie super schnell an Kleinigkeiten aus dem Arbeitsumfeld wie zb Kollegen, Chaos im Klassenzimmer und nicht auffindbaren wichtigen Unterrichts und Therapie Materialien.
Letzte Woche habe ich mit meinen Schüler*innen fleißig Kekse gebacken


Aber nun berichte ich ja schon wieder von meiner Arbeit…

In der verbleibenden Freizeit habe ich mich seit ich hier bin mit der Suche nach einem Hobby beschäftigt. Anfangs ging ich viel Joggen- dann kam der Winter. Joga habe ich ausprobiert, eine Meditationsgruppe habe ich einige Male besucht (habe dann aber eingesehen dass ich einfach zu wenig von dem was geredet wird verstehe) bin sogar ein mal (und nie wieder!) zum Zumba gegangen, weil ich dachte ich nutze die Zeit hier um mal Dinge auszuprobieren, die ich  normalerweise eher nicht machen würde. Da dies alles nicht überzeugend war beschloss ich zu meinen alten Hobbies zurück zu kehren. Als erstes versuchte ich mein Glück in den Zwei „Kletterhallen“. Eine davon ist sehr „old-school“ und ich muss gestehen, dass ich mich nicht besonders sicher gefühlt habe. Die zweite ganz neu eröffnete Halle glich in etwa einem „Kidsworld“.  So entschied ich mich also  es doch wieder mit Fußball zu versuchen und nun gehe ich jede Woche mit einigen kirgisischen und nicht kirgisischen Jungs und Mädels kicken.

Außerdem konnte ich endlich ein altes Fahrrad auftreiben für das ich 3000 Som bezahlte (ca  40 Euro)
Das Fahrradfahren in Bischkeker Straßen ist bei hiesigen Infrastruktur eine Sache für sich. Ich habe also die Wahl zwischen dem Bürgersteig, der von Löchern und Hubbeln überseht ist und der großen recht gut geteerten Straße mit den verrückten Maschrutka Fahrern und hupenden und an mir vorbeirasenden Jeeps und anderen Autos.
Während ich zu Beginn das Gefühl hatte die einzige Fahrradfahrerin in ganz Bischkek zu sein, habe ich heute an  einer super überraschenden Veranstaltung, die einer „Critical mass“  glich teilgenommen. Mit über 1000 Fahrradfahrenden Menschen fuhren wir die zwei größten Straßen Bischkeks entlang und blockierten diese damit für den ganzen Vormittag! Am Rande der Straße standen jede Menge Leute mit ihren Handys und waren ganz hin und weg von der zweirädrigen Masse auf der Straße. Für mich ein tolles Erlebnis auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielte.






So viel zum „Neujahr“ , meinem Alltag und tausenden Fahhradfahrenden Bischkeker*innen.
Jetzt warte ich erstmal ganz gespannt darauf in einer Woche meine Eltern am Flughafen abzuholen und ihnen mein Leben hier zu zeigen und eine Woche durch Kirgistan zu reisen!

Machts gut, danke fürs dran bleiben
Eure Lissa!

Donnerstag, 23. Februar 2017

Mein Georgien Abenteuer



Am Morgen des 4. Februar wachte ich mit einem seltsamen Gefühl auf. Heute würde ich für 15 Tage nach Georgien fliegen. Zwei Wochen keine Arbeit. Keine Kinder. Keine Kirgisen. Kein Bischkek.
Anlass der Reise war das Zwischenseminar, bei dem sich alle Freiwilligen in Zentral und Vorderasien für eine fünftägige Seminareinheit trafen. Die Gelegenheit kam also geradezu ideal um sich eine Woche vorher dieses Land, von  dem man nicht ganz weiß ob man es eher zu Europa oder doch zu Asien zuordnen soll, genauer anzusehen.

 Tot müde kamen Diana und ich am 5. Februar nachts in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens an. Am Flughafen wurden wir ganz ähnlich wie bereits aus Bischkek gewöhnt, von 15 Taxifahrern angesprungen.
Bereits während der nächtlichen Fährt zu einem Hostel merkte ich, dass sich diese  Stadt stark von Bischkek unterscheidet. Dieser Eindruck würde jedoch erst richtig stark, als ich am nächsten Tag durch die Altstadt lief. Eine ALTSTADT! Wie lange ich so etwas nicht mehr gesehen habe! Obwohl Georgien genauso wie Kirgistan ein ehemaliges Sowjet Land ist, fühlte ich mich plötzlich als sei ich mitten in Europa. Wäre ich jedoch nicht aus Bischkek sondern aus Bensheim gekommen hätte diese Wahrnehmung wohl ganz anders ausgesehen. Georgien ist geprägt durch die unzähligen orthodoxen Kirchen und eine sehr christlich gläubige Bevölkerung. Sitzt man in einem Bus und fährt an einer Kirche vorbei kreuzen sich alle Insassen die Brust.
Zwei Tage verbrachte ich damit die Hauptstadt erkunden und musste dabei aufpassen nicht in eine Frustration zu verfallen. Die Stadt, dass Essen, die Bars, die Plätze..all das schien für mich so viel schöner, vielseitiger, alternativer als das Bischkek mit seinen ausschließlich großen Straßen und Blogs ohne Fußgängerstrassen und Gässchen. Auch scheint Tiflis eine sehr alternative Szene zu haben. Sogar ein veganes sowie vegetarisches Cafe konnte ich finden. 






Nach zwei Tagen Tiflis entschieden Diana und ich uns zusammen durch den Süden und Westen des Landes zu trampen. Damit begann ein kleines sehr schönes Abenteuer, das mir meinen Gesundheit beinahe versaute:
Da es schwieriger ist aus großen Städten heraus zu trampen fuhren wir zunächst mit einer Maschrutka in ein nahegelegenes Dorf. Nach einer obligatorischen Kirchenbesichtigung dort, stellten wir uns an die nächst größere Straße, um uns Richtung Südwesten, Zielstadt „Borjomi“ mitnehmen zu lassen. Anfangs war es für mich eine Überwindung den Daumen raus zustecken. Allerdings hielt bereits das dritte Auto an um uns zumindest bis zur „Autobahn“ (natürlich keine Autobahn in dem Sinne aber eine große Straße die sich einmal durch ganz Georgien erstreckt) mitzunehmen. Am Rand der Schnellstraße  standen wir keine 2 Minuten da wurden wir auch schon von einem älteren sehr netten Georgier mitgenommen. Mit ihm fuhren wir eine ganze Weile, unterhielten uns auf Russisch oder hörten Musik, bekamen Äpfel geschenkt und hatten eine gute Stunde eine sehr entspannte Fahrt.  Die Kommunikation mit der älteren Generation funktioniert noch gut auf Russisch. Die jüngere Generation kann in einigen Fällen Englisch oder tatsächlich oft auch nur georgisch. Auch auf unsere nächste Mitfahrgelegenheit die uns direkt bis nach „Borjormi“, einem grünen ehemaligen Kurort, brachte, mussten wir nicht lange warten. Die jungen Leute im Auto ließen es sich nicht entgehen uns die ganze Stadt zu zeigen und anschließend noch ein ganzes Abendessen zu bezahlen. 

Am nächsten Tag konnten wir es nicht abwarten endlich mal wieder Bäume zu sehen. In Kirgistan sind Bäume ja leider etwas rar und so freute ich mich riesig in dem riesigen national Park einige Stunden zu laufen. Den tiefschnee hatte ich jedoch mal wieder unterschätzt und so war ich bald ziemlich nass und durchgefroren was angesichts meiner anbahnenden Grippe suboptimal war (dazu später mehr).

Endlich mal wieder Bäume!
 Noch am selben Tag schafften wir es bis nach Akhalzihe zu trampen wo wir für zwei Nächte kostenlos bei einer couchsurferin übernachten konnten. Couchsurfing ist ein Online Portal indem sich Reisende gegenseitig anbieten kostenfrei bei einander zu übernachten. So konnten wir zum Beispiel zwei Nächte kostenfrei bei Nanuka (25) und ihrer hübschen Tochter (5) übernachten und bekamen nebenbei noch leckeres georgisches Essen gekocht und bekamen von den beiden eine Einlage in georgischem Gesang und Tanz vorgeführt. Das ist definitiv besser als jedes fünf Sterne Hotel!
Könnte auch an der Bergstraße sein...


In der Nähe der Stadt befindet sich die alte Höhlenstadt Wardzia (georgisch ვარძია). Es handelt sich um ein ehemaliges Höhlenkloster, das im 12. Jahrhundert gebaut wurde. Es war ziemlich beeindruckend die 3.000 Höhlenwohnungen vor sich zu haben, vorallem wenn man bedenkt, dass weitere Höhlenklöster in Georgien noch immer von Mönchen bewohnt sind. Die 3.000 Höhlenwohnungen boten ehemals Platz für 50.000 Menschen. Das bedeutet Bensheim könnte „ohne Probleme“ einziehen..
Da das Kloster eher sehr abgelen ist, und wir auf dem Hinweg einfach großes Glück beim trampen hatten, kamen wir in die unangenehme Situation nicht zu wissen wie wir wieder weg kommen. Da Februar definitiv nicht Georgiens Touristen Saison ist, waren wir die einzigen Besucher. Lediglich zwei Mitarbeiter konnten wir finden, die zunächst fest darauf bestanden bei ihnen im Gasthaus zu nächtigen. Nach dem wir lange diskutiert und klar gemacht hatten, dass wir nach Akhalzihe wollen und dort eine Übernachtungsmöglichkeit haben (Nanuka- die sich später als Nichte des Mitarbeiters entpuppte:D ), war der Mitarbeiter so nett uns in die nächste Stadt zu fahren, da dort eine Maschrutka fuhr


Und vor uns erstreckt sich immer wieder der kleine Kaukasus


.
Der nächste Tag begann für mich mit zwei schlechten Nachichten. 1. Es schneit. 2. Meine Erkältuing, die ich die ganze Reise über unterdrückt hatte, war zu einer schmerzhaften und sichtbaren Mandelentzündung geworden. Die Reise wollte ich mir jedoch nicht versauen lassen. Also deckte ich mich in der Apotheke mit Medikamenten ein (Antibiotika gibt es wie in Kirgistan rezeptfrei) und lief mit Diana durch den Schnee zur großen Straße um weiter zu trampen. Das Sprechen musste allerdings sie übernehmen..
Nach einigen netten Mitfahrgelegenheiten kamen wir an die Kreuzung die nach Kutaisi und Batumi am schwarzen Meer führte. Noch bevor wir den Daumen raushielten hielt ein Lkw an um uns mitzunehmen. Auch wenn es mir gesundheitlich in dieser Zeit ziemlich schlecht ging, war dies definitiv die angenehmste Fahrt. Zum einen war es natürlich super cool mal in einem so hohem „Auto“ zu sitzen. Zum anderen war der Lkw Fahrer ein sehr angenehmer Mensch, der mit sicherheit der sicherste Fahrer von allen war. Auch er lud uns zu einem leckeren Mittagessen ein.
So tuckerten wir 4 Stunden nach Kutaisi. Dort fanden wir schnell ein Hostel, indem wir auf weitere Deutsche trafen. Meine Gesundheit zwang mich dann doch langsam zu machen und die nächsten zwei Nächte in Kutaisi zu bleiben, auch wenn das bedeutete, dass wir das schwarze Meer nicht mehr erreichen würden. Auch von Kutaisi bekam ich nicht viel mehr mit als den Markt und einen Friedhof, der ganz anders aufgebaut war als die mir bekannten Friedhöfe. Jedes Grab, meistens Familiengrab, war wie ein kleines Gärtchen eingezäunt. Es befand sich jeweils ein Tischchen und eine kleine Bank innerhalb des eingezäunten Grabbereichs und das Gesicht der verstorbenen war in den Grabstein eingraviert. Dabei stoß man auf so manche witzigen Darstellungen. 

Sonntag war es dann auch schon Zeit zurück nach Tiflis zu fahren, da Montag morgen, dass Zwischenseminar in Saguramo, nahe Tiflis, statt finden würde. Ich entschied für mich, dass ich in meinem immernoch schlechten Gesundheitszustand lieber nicht trampen wollte. So fuhr ich zum ersten Mal seit 6 Monaten Zug. Es war definitiv die entspannteste Zugfahrt die ich je hatte. Und natürlich so billig, dass der deutschen Bahn die Augen aus dem Kopf fallen würden…
Das Zwischenseminar fand in Saguramo nahe Tiflis statt. Dort lebt ein Georgisch-deutsches Ehepaar mit einigen Pflegekindern und zwei Freiwilligen aus Deutschland. Außerdem befindet sich eine Art Schule auf dem Gelände, die alternativen Unterricht wie Musik, Kunst etc anbietet. Ab dem nächsten Jahr soll außerdem eine Handwerksberufliche Ausbildung in der Einrichtung möglich sein.
Auf dem Zwischenseminar traf ich dann auf 28 deutsche Freiwillige, die in Armenien, Georgien, Kasachstan, Kirgistan, der Ukraine oder Tschadschikistan ihren Freiwilligen Dienst leisten. 

Es war eine besondere Zeit für mich, in der ich mich zum ersten Mal umfassend mit den vergangenen 6 Monaten beschäftigen konnte. Außerdem konnte ich viel Kraft aus dem Austausch mit den anderen Freiwilligen schöpfen. Gleichzeitig war es natürlich umso schwerer nach den gemeinschaftlichen Tagen wieder auseinander zu gehen und zu wissen, wie schnell wir wieder im Alltag landen würden. 
So flog ich mit gemischten Gefühlen zurück nach Bischkek und wusste, dass mir das Essen, die grüne Landschaft und die „alternativere“ Szene Georgiens fehlen würde. Als ich jedoch die ersten Kirgisischen Gesichter sah. Durch die mir mitlerweile so vertrauten Straßen fuhr, konnte ich wahrnehmen wie ich mich hier bereits „Zuhause“ fühle.


Neues aus Ümüt-Nadjeschda:
Einige Berichte zuvor, schrieb ich über meine zusätzliche Arbeit in der Wohngruppe von Ümüt-Nadjeschda. Der Ort, an dem einige Schüler*innen gemeinsam wohnen. Ich berichtete von der deprimierenden Situation dort, und dem Mangel an Spiel-, Mal- und Lernsachen. Daraufhin bekam ich eine Nachricht von der Kletterhalle Bensheim, die meinen Kids gerne ein paar Spielsachen zukommen lassen würde. Statt dem alljährlichen Weihnachtsgeschenk an die Mitarbeitenden, wurde in diesem Jahr Spielzeug, Lernmaterial etc.  für die Bewohner der Wohngruppe gesammelt. So erhielt ich zwei riesen große Pakete aus Deutschland, die ich am Dienstag, den 21.02. in die Wohngruppe brachte. Ich untertreibe NICHT, wenn ich sage, dass ich die Wohngruppe noch nie so lebendig erlebt habe! Der auf mich sonst sehr grau und deprimierend wirkende Ort war an diesem Tag von so viel Begeisterung Freude und Aufregung gefüllt wie ich es noch nie dort wahrnehmen konnte. Die Kinder machten große Augen, und auch die Betreuerinnen dort, die ich sonst eher als gestresst und übermüdet wahrnehme, waren vollkommen hin und weg. Ich möchte mich hiermit nochmal ausdrücklich und herzlich bei dem High-Moves Team der Kletterhalle Bensheim und vorallem bei der Geschäftsführung Eric und Michael bedanken! Ich wünschte ihr hättet die großen Augen der Betreuten live gesehen.  Am Ende riefen alle laut: „Spasiba-tschong-rachmat-Dankeschön!“ Danke auf russisch, kirgisisch und deutsch.









Das wars jetzt auch erstmal, ich danke fürs lesen, ich danke den High-Movies

ნახვამდის!
Nachvamdis!
(Tschüss auf georgisch)
Eure Lissa

Mittwoch, 25. Januar 2017

Ab in die Berge!

Ab in die Berge!

Nach dem der ganze Neujahrsstress und die Fortbildung (Ergotherapie) überstanden war, hatten wir endlich mal drei Tage frei. Für einige von uns Freiwilligen war damit eins klar: Ab in die Berge!
Unser Ziel war: Karakol, eine Stadt in den Bergen, östlich des Issyk-Kul Sees, und wahrscheinlich das größte Skigebiet in Zentralasien. Eingequetscht zwischen anderen Reisenden fuhren wir mit einer Maschrutka gut sieben Stunden von Bischkek nach Karakol. Abends kamen wir in unserem kleinen Gasthaus an. Es handelte sich dabei nicht um ein modernes Hostel, sondern um das Haus einer kirgisischen Familie, die zwei Zimmer frei hatten.
Einige waren zum Skifahren gekommen, andere, so wie ich zogen das Wandern vor.
Am Tag nach der Ankunft sah ich mir erstmal dieses „Karakol“ an. Eine Stadt, die mit Bischkek nichts gemeinsam hat- außer ,dass es wie überall hier einen Basar gibt. Zu bieten hat die Stadt eine chinesische Moschee, die komplett aus Holz und ohne metallene Nägel erbaut wurde. Ich als Frau durfte trotz Kopftuch nicht rein…..

Ebenfalls aus Holz bestehend gibt es in Karakol eine orthodoxe Kirche aus dem Jahr 1895. Ich wurde ziemlich blöd angeschaut als ich ohne Kopfbedeckung hinein maschierte->*Wieder-was-gelernt!*

Verpassen darf man auch nicht das speziell für Karakol bekannte Ашлян-Фу  („Aschlanfu“), denn jeder Kirgise/jede Kirgisin scheint darauf zu schwören, dass es NUR in Karakol wirkliches, gutes Aschlanfu gibt.  Ich selbst war von dieser kalten, scharfen, mit Speisestärke-stücken und Nudeln herumschwimmenden Suppe nicht ganz so begeistert, wie meine Kirgisischen Freunde in Bischkek.
Um aus der Kleinstadt raus in die Berge zu kommen gibt es drei Möglichkeiten.
1.Maschrutka
2.Taxi (Taxi fahren kostet hier etwas weniger als Busfahren in Deutschland)
3.Trampen

Besonders das Trampen war sehr einfach, da die Karakoler an den Tourismus schon sehr gewöhnt sind, und sich durch das Rumfahren von Tourristen gut was dazu verdienen.  So bekam ich in den wenigen Tagen Urlaub wunderschöne Berge zu sehen:






Der Ak-Suu Nationalpark ist bestimmt wunderschön im Sommer -wir jedoch kamen nicht weit, da alle Wege dermaßen eingeschneit waren, dass wir nach wenigen Kilometern umkehren mussten. Im Tal befinden sich die Reste eines ehemaligen Kurortes mit Holzbaracken, in denen die Einheimischen wohl noch immer zum Baden in den ca. 50 Grad heißen Quellen entspannen.

Dank einiger Einheimischen fanden wir diesen wunderschönen Panorama Platz mit Sicht auf die Stadt und die Sonne wie sie hinter den Bergen untergeht.











Am nächsten Tag bestand uns erstmal eine 28 Km weite Fahrt im Auto des Vaters der kirgischen Familie bevor ( oder war es der Onkel..?  ).  Links und rechts von mir erstreckten sich die weißen Berge zu riesigen Wänden und ich konnte meinen Blick gar nicht abwenden, noch wusste ich ob ich links oder rechts schauen sollte. Nach fast 40 Minuten Fahrt hielt der Fahrer an um uns folgendes zu zeigen:






Angeblich soll dieser Felsen wie ein gebrochenes Herz aussehen- Wer von euch hat es erkannt? Ich jedenfalls nicht.
Außerdem wird erzählt, dass dieser Fels das Herz einer jungen Kirgisin symbolisiert, die an dieser Stelle vor Liebeskummer starb, weil sie in zwei Männer verliebt war. Als sich die beiden Rivalen jedoch gegenseitig umbrachten brach ihr das das Herz.
Kurz darauf kamen wir in ein kleines Dorf-  Jeti Oguz. „Jeti Oguz“ ist kirgischisch und bedeutet „sieben Bullen“. Auch hierzu gibt es diverse Geschichten. Eine wäre da zum Beispiel, dass ein Hirte mit seinen sieben frisch geborenen Bullen in die Berge stieg und alle sieben verlor. Daraufhin suchte er Monate lang nach ihnen, bis er erfolglos ins Dorf zurückkehrte. Als er nun zu den Bergen blickte sah er nicht seine Kälbchen, sondern sieben riesige rote Felsen. Zählt man sie heute kommt man jedoch auf zehn oder sogar elf, was wahrscheinlich an Wetterabnutzungen liegt- oder daran das der Name ursprünglich was ganz anderes bedeutet hat…







Entlang  der roten Felsen wanderten wir den ganzen Tag. Auch hier lief ich abseits jeglicher Wege und streckenweise im  kniehochem Tiefschnee.




Die Fußspuren haben wir hinterlassen.







Das Schlittenfahren  später hat nur so semi- gut geklappt…



Abends waren wir bei Adilet, einem Kirgisen, den die anderen beim Skifahren kennen gelernt haben zum Essen eingeladen. Dort erfuhren wir wieder einmal Spannendes über die engen familiären Strukturen der kirgisischen Kultur.  Da wäre zum Beispiel der festbestehende Brauch, dass der zuletzt geborene Sohn, das Elternhaus bekommt und dieses auf keinen Fall verkaufen darf. Dafür ist es auch die Aufgabe des Jüngsten Sohnes sich um die Eltern zu kümmern, wenn sie alt werden. Altersheime sind eine Schande. Die Frauen wechseln mit der Hochzeit sozusagen die Familie. Das ist der Grund, warum viele Frauen zuerst geborene Männer, den jüngeren vorziehen. Denn ist eine Frau mit einem zuletzt geborenen Verheiratet, ist es letztendlich sie, die verpflichtet ist die Schwiegereltern zu pflegen und mit Ihnen zusammen zu wohnen. Es gab noch viel viel mehr spannende Eindrücke an diesem Abend, die aus den Erzählungen Adilets hervorgingen. Es wird mir hier immer deutlicher wie eng die Kirgisen/-Innen hier in den Familienstrukturen festhängen.
Sultan, ein Kirgise aus Bischkek, der für einige Zeit in Deutschland lebte verglich die Freiheit der individuellen Person  Kirgistans mit der Deutschlands mit folgendem Bild:

„In Deutschland ist das Kind ein Ballon. Es kann sich in alle Richtungen im Raum bewegen. In Kirgistan ist das Kind ein Glied einer Kette. Jede Schritt hat Auswirkungen auf die ganze Kette, und so muss jeder Schritt mit den anderen Kettengliedern besprochen werden“

Als Sultan von dieser Kette sprach klang es zunächst eher sehr abwertend. Ich selbst frage mich hier jedoch manchmal auch, ob es nicht auch etwas ganz besonderes ist Mitglied dieser Verkettung zu sein und ob wir Deutschen nicht manchmal zu sehr wie Luftballons alleine durch den Raum fliegen.


Nach diesem spannenden Abend jedenfalls war mein Kurzurlaub leider auch schon beendet. Auf mich wartete eine Maschrutka Fahrt, bei der ich das Pech hatte, dass der Fahrer alle 50 km anhalten musste, aussteigen und irgendwas am Motor reparieren musste, da dieser des öfteren ausfiel.. Im Gepäck hatte ich wundervolle Bilder von Bergen und Schnee, die ich mich vorher nicht zu träumen gewagt hätte. Jetzt freue ich mich noch viel mehr auf die noch kommenden Reisen durch dieses landschaftlich wunderschöne Kirgistan.


Neues aus Ümüt:
Nach der Rückkehr des Kurztrips nach Karakol stand in der Schule  auch schon bald das Spiralen Fest an. Die Waldorfschüler*innen unter euch kennen dieses Fest unter dem Namen „Adventsgärtchen“. Tannenzweige werden zu einer Spirale gelegt. In der Mitte der Spirale befindet sich eine große Kerze. Die Kinder laufen (oder werden wenn sie selbst nicht können, getragen) mit einer Kerze, die in einem Apfel steckt, zu der Mitte, um ihre Kerze dort an der großen anzuzünden. Am Ende entsteht eine Spirale voller Lichter. Aus den Kerzen war es vollkommen dunkel im Raum. Deshalb war es ganz wichtig, dass die Kinder ununterbrochen von Musik begleitet waren. Wir sangen ruihge Lieder, es wurde Flöte, Piano und Hang gespielt. Es war tatsächlich das erste entspannte Fest, das ich sehr genossen habe.



Im Dunkeln sah das natürlich deutlich schöner aus, aber erst danach durften logischerweise Fotos gemacht werden.

Nun steht im Februar auch mein Zwischenseminar in Georgien an. Davor habe ich mir eine Woche Urlaub genommen, da ich eine Woche durch Georgien reisen will. Danach, wer hätte es gedacht, wird es auch schon wieder ein Fest in unserer Schule geben!

Ich danke euch fürs lesen, sende euch die liebsten Grüße und halte euch auf dem Laufenden!
Eure Lissa

Mittwoch, 4. Januar 2017

Weihnachten und Neujahr in Kirgistan


„С Новым годом!“ oder auf Kirgisisch gesagt „Жаңы жылың менен!“ - Frohes neues Jahr !

Die letzten Dezemberwochen sind wie im Flug vergangen, da hier einiges los war. Weihnachten wird in Kirgistan zwar nicht gefeiert (die orthodoxen Russen feiern allerdings Weihnachten am 7. Januar), aber dafür ist  Neujahr umso mehr Anlass, um ordentlich gefeiert zu werden. Wochenlang hat sich ganz Bischkek auf den Jahreswechsel vorbereitet. Der große Ala-Too Platz verwandelete sich zur Winterwelt aus Lichterketten, Rentiere, Schneemänner oder Kugeln bildeten, von denen man nicht ganz weiß ob man sie total kitschig oder ganz schön finden soll. Man hätte den überschmückten Platz aber genauso gut für einen Weihnachtsmarkt halten können. Denn den geschmückten Tannenbaum und den Weihnachtsmann als „дед мороз“ (=Großvater Frost), der Geschenke bringt, gehört zum Neujahrsfest in Kirgistan ganz klar dazu.
Auch die Schule bereitete sich intensiv mit den Kindern und Jugendlichen auf das Fest vor, da jedes Jahr auch eine große Feier in der Schule geplant wird. Drei Wochenlang wurde nur noch geprobt und Neujahrslieder einstudiert.  Die Kinder redeten nur noch vom „елка“ („jolka“=Tannenbaum) und „дед мороз“.  Am 27. Dezember war es dann endlich soweit. Alle Kinder und Lehrerinnen kamen in tollen Kostümen (Es erinnerte ein bisschen an Fasching) .Der große Saal im Korczak Zentrum war festlich geschmückt –in der Mitte stand sogar ein großer Tannenbaum. Eltern, Spender*innen, Studierende und Freunde der Nadjeschda Organisation waren gekommen. Dementsprechend war die Stimmung „hinter den Kulissen“ auch richtig stressig.
Das Fest hatte allerdings auch allerhand zu bieten. Die Kinder haben viel gesungen und getanzt. Ich selbst war in einen „Schneeflockentanz mit Rollstühlen“ eingebunden, sang mit drei meiner Schülerinnen ein Kirgisisches Lied (man gab mir allerdings wegen meiner anfänglichen Textunsicherheit  als einzige KEIN Mikrofon- obwohl ich am Ende den Text besser auswendig konnte als meine kirgisischen Mädels), und half einem Rollstuhlfahrer bei einem Walzer im Rollstuhl. Nebenbei musste ich mit einigen Lehrerinnen während des Konzertes auch noch  Geschenke für die Kinder einpacken und Essen für die Gäste vorbereiten. Es war alles in allem ein ziemliches hektisches Rumgerenne, was es mir unmöglich machte das Fest ,auf das wir solange hingearbeitet hatten ein bisschen zu genießen.

Umso mehr genießen konnte ich dafür die Feier ohne Kinder, die am 30. Dezember, dem Freitagabend vor Silvester gefeiert wurde. Die Betriebsfeier, „корпоративна“ („Korporativna“), schien für die Lehrer*innen eine ziemlich große Sache zu sein. Am Tag der Feier trafen sich nach der Arbeit einige zum gegenseitigen „Aufbrezeln“. Eine meiner Kolleginnen ging dafür sogar in einen Schönheitssalon, von denen es hier nur so zu wimmeln scheint.  Die Feier fand in einem für kirgisische Verhältnisse, und für das Einkommen der Lehrer*innen total überteuertem Restaurant statt. Nachdem ein bisschen gegessen und geredet wurde, überraschten mich meine Kolleginnen und Kollegen sehr mit ihrer Tanzbegeisterung. Während wir Deutschen anfangs noch ziemlich verlegen und schüchtern am Rand standen, tanzten unsere Lehrerinnen uns an, zogen uns auf die Tanzfläche und tanzten ganz ohne Schüchternheit. Das waren für mich ziemlich besondere Stunden, da ich das Gefühl hatte zum ersten Mal richtig zu der „Nadjeschda-Familie“ dazuzugehören. Genau dieses Gefühl hatte ich gebraucht, da ich mich immernoch, oft vorallem aufgrund der Sprache, ausgeschlossen aus dieser Lehrerinnen- Gemeinschaft fühle.

Die Menschen die ich hier treffe überraschen mich immer wieder und jeder Tag mit ihnen, aber besonedrs Abende wie dieser bringen mir neue Erkenntnisse über das Leben in Kirgistan.
Zum Einen fällt mir immoment sehr stark auf, dass das makelose äußere Erscheinungsbild hier jeden Tag ein großes Thema, insbesondere für Mädchen und Frauen ist. Da fühle ich mich mit meinen Wanderschuhen und meiner Outdoor-Jacke, vollkommen ungeschminkt doch manchmal ganz schon fremd und auffallend in der Stadt.  Zum Anderen aber spürte ich immer wieder (nicht nur an diesem Abend!) ganz viel Unverkrampftheit, Freude und Bereitschaft zum Kontakt.

Am Abend darauf, der  letzte Tag des Jahres 2016 feierte ich ganz entspannt mit meinen Mitfreiwilligen und anderen Freunden und Bekannten in meiner Wohnung. Kurz vor zwölf liefen wir zum Ala-Too Platz um uns dort das große Feuerwerk anzusehen.

Weihnachten ist für mich dieses Jahr natürlich auch nicht ganz ausgefallen. Im Gegenteil. Ich hatte zwar einen sehr anderen, aber dennoch einen sehr schönen Weihnachtsabend am 24. Glücklicherweise viel der Tag auf einen Samstag, so mussten wir am nächsten Tag nicht arbeiten. Alle Freiwilligen in Bischkek und aus dem Sozialdorf entschieden sich zusammen in einer Wohnung zu feiern.  Am Ende jedoch war es ein sehr buntes, multikulturelles Fest, da auch ein Russe und einige Kirgisen unserer Einladung gefolgt waren, darunter zwei unserer Arbeitskolleginnen mit jeweils Tochter bzw. Schwester.  Wir taten unser Bestes den Kirgisinnen und Kirgisen gute Gastgebende zu sein, da „Gast sein“ und „Gastgeber-sein“ in Kirgistan ein sehr wichtiges Element der Kultur ist, mit klaren Verhaltensweisen beiderseits.  Da ich gewöhnlich die Rolle des Gastes in Kirgistan einnehme, war es an diesem Abend sehr spannend zu sehen, wie sich unsere sonstigen Gastgeber in der Rolle des „Gast seins“ verhielten.  Ich habe sie als sehr zurückhaltend und viel, viel  schüchterner als sonst wahrgenommen. Das Essen habe ich ihnen regelrecht aufzwängen müssen und wenn etwas fehlte meldete sich keiner von ihnen.  Aber als wir allen den ersten Glühwein aufgedrückt hatten, lockerte sich die Stimmung schnell und es kamen schöne lange Gespräche zustande. Weil uns das aber noch nicht weihnachtlich genug war, sangen wir noch einige Weihnachtslieder bei Kerzenschein.  Für mich war das der Moment, den ich Weihnachten nenne. Es war ein sehr schönes Gefühl so viele Menschen um sich zu haben und mit ihnen diesen Abend auf verschiedenste Weise zu teilen.

Nun ist der ganze Weihnachts und Neujahrszauber schon so gut wie abgeklungen und die Schule bereitet sich bereits aufs nächste Fest vor.  Außerdem findet gerade für die Mitarbeitenden der Einrichtung Ümüt-Nadjeschda ein sehr spannendes Seminar statt. Die Dozentin ist eine deutsche Ergotherapeutin- so haben wir Freiwilligen auf einmal eine ganz andere Rolle, da wir diejenigen sind die die Sprache verstehen, während für die Mitarbeitenden übersetzt wird.

Ich wünsche euch allen nochmal ein frohes neues Jahr, hoffe ihr habt alle schöne Feiertage gehabt und weniger Eis auf den Straßen als hier…

Liebe Grüße
Eure Lissa

Montag, 12. Dezember 2016

Update aus Kirgistan- Die letzten Wochen im Schnelldurchlauf

Update aus Kirgistan





Die letzten Wochen im Schnelldurchlauf:

19. November -Ausflug zu den heißen Quellen:
  Eine kirgisische Freiwillige entführte uns deutsche Freiwillige nach Issyk Atta. Das könnte man als einen „kirgisischen Kurort“ bezeichnen. Das besondere an diesem Ort ist, das sich dort heiße Quellen befinden. So kam es also, dass wir mit eingefrorenen Haaren ins heiße Wasser hüpften während der Schnee auf uns herab rieselte.  Das Umziehen im Anschluss  war eine Qual!

25. November- Das Laternenfest :
 Mit vielen vielen Vorbereitungen, Proben, Bastelaktionen usw bereitete sich die Schule auf diesen Tag vor, an dem das große Laternenfest stattfand. Eltern und Familie der Kinder waren ebenfalls herzlich eingeladen (Es war jedoch sehr enttäuschend, wie wenig Eltern Zeit finden konnten ihre Kinder an diesem Tag zu unterstützen).  Das Fest begann mit einem kleinen Theaterstück, bei dem ich auch eine Rolle zugeteilt bekam. Es war in den Proben immer wieder sehr stressig für mich, den Schwall an russischen Erklärungen über die Handlung des Stückes zu verstehen.  Mit einigen Pannen überstanden wir dann das Stück (Ich musste als Vogel verkleidet fünfmal deutsche Laternenlieder singen). Im Anschluss passierte alles recht…“zackig“. Hektisch wurden die Tische gestellt, das Essen serviert „Kuschait-kuschait“ (esst esst!) gerufen. Keine 10 Minuten später zogen wir die Kinder an, gingen mit ihnen nach draußen, zündeten die Laternen an und liefen mit der ganzen Schule die Straße auf und ab, deutsche und russische Laternenlieder singend. Dann kamen auch schon die Busse, die die Kinder wieder nach Hause brachten und der ganze Hek-mek der letzten Wochen war mit einem Mal vorbei.  Nachdem wir alles aufgeräumt hatten, setzten die Mitarbeiter*innen und Freiwilligen sich noch einmal kurz zum Reste essen hin. Keiner war so richtig zufrieden mit dem Ergebnis des Festes und alle betonten, dass das „große Nowe god Fest“ (Neujahrs und Weihnachtsfest) besser und besser werden würde.

26.November- Arbeiten in der Wohngruppe:
 Neuerdings haben wir Freiwilligen die Aufgabe, einen Samstag  im Monat in der Wohngruppe zu arbeiten, in der einige Kinder unserer Schule gemeinsam leben. Viele von Ihnen leben dort Tag täglich, weil sie keine Familie mehr haben, oder die Eltern nichts mit ihrem Kind zu tun haben wollen.  Andere wohnen hier nur unter der Woche und werden am Wochenende von ihren Familien abgeholt.  Die Mitarbeiterinnen in der Wohngruppe sind allerdings so sehr mit kochen, putzen etc ausgelastet, dass neben diesen Tätigkeiten keine Zeit bleibt den Kindern die nötige Aufmerksamkeit und Geduld zu schenken.  Deshalb soll ich jetzt einmal im Montag  samstags dort hinkommen und mich mit den Kindern beschäftigen, ihnen einen besonderen Tag organisieren. Als ich am Samstag, den 26. November pünktlich um neun Uhr die Wohngruppe erreichte, wurde ich sofort in den Mädchen Schlafraum gescheucht. Da stand ich dann. In einem Raum in dem drei Mädchen und drei junge Frauen noch tief und fest schliefen. Verloren stand ich da und wartete darauf bis man mir eine Aufgabe zuteilte oder jemand aufwachen würde.  Als das dann nach einer Weile geschah, wollte ich mich nützlich machen indem ich Olga, einer schwerbehinderten Spastikerin beim anziehen helfen wollte. Ich stellte mich wohl nicht allzu geschickt an, denn zwei andere Mädels mussten mir ständig erklären was ich anders machen sollte. Aber woher soll ich denn auch wissen, dass erst die Arme und dann der Kopf in den Pulli gehörte?  Und woher soll ich wissen wie Olga gewöhnlich das Gesicht gewaschen und die Zähne geputzt  bekommt, wenn ich noch nie dabei zugesehen habe?  Beeindruckend während der ganzen Prozedur fand ich jedoch, wie gut Olga sich verständigen konnte und wie deutlich sie mir mitteilen konnte ob ich etwas falsch oder richtig machte. Außerdem halfen die weniger stark Behinderten Olga sehr viel und korrigierten mich, wenn ich etwas falsch machte.
Den Mittag verbrachte ich dann damit, den Bewohnern und Bewohnerinnen einen abwechslungsreichen Samstagmittag zu ermöglichen.  Doch bei der Suche nach Spielsachen musste ich bald feststellen, dass ich nicht viel zur Verfügung haben würde. Zwei Fußbälle waren alles was ich finden konnte. Dabei hätten die Kinder nichts lieber als eine Runde Uno gespielt. Es machte mich sehr betroffen zu sehen, dass die Bewohnenden ihre freie Zeit meistens nur am Handy verbringen können.  Nach zwei Stunden spielerischem Deutschunterricht gingen mir die Ideen aus. Keine Spielsachen, nicht mal Papier oder Stifte waren aufzutreiben. Letztendlich kam mir dann die Idee „Wer bin ich“ mit den Bewohnern zu spielen. Es war zwar sehr kompliziert auf Russisch zu erklären, wie das Spiel funktioniert, aber als wir erst mal mit dem Spiel begannen, haben wir so viel gelacht, dass ich gar nicht glauben konnte, dass es schon Zeit zu gehen war.  Ich habe diesen Mittag in der Wohngruppe sehr genossen und bin schon gespannt was ich die nächsten Male mit den Bewohnern und Bewohnerinnen erleben darf. Wenn jemand hierzu kreative Ideen hat- her damit! (Die Kommentarfunktion müsste mittlerweile eigentlich auch funktionieren..)

03.Dezember: Der dritte Dezember war der Tag der Menschen mit Behinderungen in Kirgistan. Aus diesem Anlass versammelten sich alle Mitarbeiter*innen von Ümüt-Nadjeschda auf dem großen Platz der Stadt, dem Ala-Too. Ausgerüstet mit Rollstühlen und einem Plakat auf dem übersetzt stand : „Wir sind genauso  Menschen wie ihr!“  zogen wir wie in einem kleinen Demonstrationszug auf den Platz, wo ein gedeckter Tisch mit Keksen, Tee und Borsok auf uns wartete. Es wurden natürlich jede Menge Fotos gemacht, viel mehr ehrlich gesagt aber auch nicht.

Die darauffolgende Woche war ich zunächst vollkommen ausgeknockt.  Mit hohem Fieber, Kopfschmerzen und einer fetten Nebenhöhlenentzündung lag ich tagelang im Bett, unfähig irgendetwas zu machen. In allen Bischkeker Schulen war in dieser Woche die Karantäne ausgerufen, was heißt, dass für die Schüler der Unterricht eine Woche ausfallen würde. Ich durfte die  Erfahrung machen zum ersten Mal in ein kirgisisches Krankenhaus zu gehen- und darauf hätte ich auch gerne verzichtet. Bevor man das Krankenhaus betritt, muss man über die Schuhe Plastiksocken anziehen. Sofort wurde ich mit Antibiotika und anderen Medikamenten eingehäuft und ohne mich groß zu Fragen wurde ich einer Prozedur unterzogen, zu der ich eine Woche lang jeden Tag kommen musste.  Auch wenn die Ärztin deutsch sprechen kann, war es für mich immer sehr befremdlich zu ihr zu kommen.  Ständig rannte sie zwischen mehreren Arztzimmern umher, behandelte mehrere Patienten gleichzeitig und ich hatte nie das Gefühl, dass sie mir in irgendeiner Weise zugehört hatte. Ich kam mir ein bisschen wie ein Produkt auf dem Fließband vor. In keinem Arztzimmer fand ich einen Computer vor.  Die Vorstellung mich hier röntgen zu lassen, so wie die Ärztin es eigentlich vorhatte, gruselte mir.
Ich kann jetzt nur hoffen, dass ich nicht allzu schnell wieder zum Arzt muss und freue mich schon richtig morgen endlich wieder bei meinen Kindern arbeiten zu dürfen. Das Krank sein, die Adventszeit, mein Geburtstag..all das machte mir zum ersten Mal ein bisschen Heimweh nach Deutschland und den gewohnten Dingen.  Aber wir geben hier alle unser bestes auch hier eine schöne Weihnachtszeit zu haben. Plätzchen haben wir schon ordentlich gebacken und letztes Wochenende war ein kleiner Weihnachtsmarkt von der deutschen Botschaft organisiert.

Ich sende euch allen ganz viel Gesundheit und hoffe ihr habt eine schöne Vorweihnachtszeit
Bis bald
Eure Lissa